ndr.de: Mit 1.300 PS ins Ziel


Ein Lowrider beim "Hotwheelz Husum"

Viel Zeit bleibt nicht mehr, gleich geht Julian Rose mit seinem „Blown Alky Altered“ an den Start. Das Spezialgefährt hat 1.300 PS unter der Haube und soll möglichst schnell 402,34 Meter hinter sich bringen. Das ist die Distanz der „geilen Viertelmeile“. So nennen die Fahrer die 402,34 Meter-Distanz auf dem Flugplatz Schwesing bei Husum. Beim „Hotwheelz Husum“ starten Autos und Motorräder unterschiedlicher Fahrzeugklassen: leistungsstarke US-Cars mit viel Hubraum, aktuelle Serienfahrzeuge mit viel PS und speziell nur für diesen einen Zweck konstruierte Beschleunigungsmaschinen. Geschwindigkeiten weit über 200 Kilometer pro Stunde nach nur wenigen Sekunden sind hier völlig normal. Die Start- und Landebahn des Schwesinger Flugplatzes ist ideal dafür, denn die Autos brauchen nach der Viertelmeile mehrere hundert Meter Auslauffläche.

Auf Beschleunigung getrimmt

Im Fahrerlager schrauben auch Lars Kofer und die Brüder Julian und Jovar Rose aus Hamburg an ihren Fahrzeugen herum. Die drei sind das „Angel Heart Drag Racing Team“ und mit zwei Fahrzeugen nach Schwesing gekommen. Während der „Big Block Nova“ mit seiner geschlossenen Karosserie einem Serienauto ähnelt, hat der „Blown Alky Altered“  mit seinem speziellen Fahrgestell nichts mehr mit „normalen Autos“ zu tun. Der 1.300 PS starke Methanolkompressor auf Basis eines V8-Motors mit drei Litern Hubraum ist ausschließlich auf Beschleunigung getrimmt.

Dragster in den 60er Jahren gebaut

Der 26-jährige Julian Rose und sein zwei Jahre jüngerer Bruder Jovan sind durch ihren Vater zum Dragster-Sport gekommen. Schon mit 15 Jahren saß Julian am Steuer. „Das Rennen auf dem Flugplatz Husum-Schwesing ist bereits das sechste in dieser Saison“, sagt der 39-jährige Lars Kofer mit einem Leuchten in den Augen. Die drei haben ein teures Hobby. „So 1.500 Euro geben wir am Wochenende schon mal aus, je nachdem, was kaputt geht“, verrät Julian. Zwei bis drei Tage die Woche sind sie mit Reparatur und Ausbesserungen an den beiden Autos beschäftigt. Dem „Blown Alky Altered“ ist sein Alter nicht anzusehen. Der Dragster wurde in den 60er-Jahren in England gebaut und hat inzwischen mehrfach den Besitzer gewechselt. Seit 2003 gehört er zum „Angel Heart Drag Racing Team“.

Nach zehn Sekunden ist alles vorbei

Bei Julian und seinem „Blown Alky Altered“ geht es nun in die heiße Phase: Sprit einfüllen, letzte Sichtkontrolle am Motor und schon schieben Jovan und Lars den Boliden vor. Auf ein Zeichen des Rennleiters lässt Julian die Hinterräder zum Burnout durchdrehen, um die Reifen zu erwärmen. Weißer Qualm steigt auf, es riecht nach verbranntem Gummi. Volle Konzentration bei Julian. Als die Startampel grün zeigt gibt Julian Vollgas. Die Hinterräder des Dragsters krallen sich in den Beton der Start- und Landebahn. Die 1.300 PS katapultieren Julian und den „Blown Alky Altered“ in Richtung Ziellinie. Gut zehn Sekunden später ist alles vorbei – Julian lässt den Dragster ausrollen. Anschließend muss das Spezialfahrzeug zurück geschleppt werden. Denn er kann zwar mit mehr als 200 Kilometern pro Stunde rasen, langsam fahren kann er aber nicht. Und das ist auch gut so. Der „Blown Alky Altered“ ist eben dafür nur dafür da, für ein paar Sekunden Vollgas zu geben. Fahrer Julian kann es kaum erwarten, wieder zu starten.

http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Hotwheelz-Husum-Mit-1300-PS-Richtung-Ziel-,hotwheelz100.html