ndr.de: Imker kämpfen gegen Gift


Schon lange bereiten die sogenannten Pyrrolizidin-Alkaloide (PA) Imkern und Honig-Freunden Sorgen: Das Gift aus dem Jakobskreuzkraut wird immer wieder – wenn auch in kleiner Dosierung – im Sommerhonig nachgewiesen. Experten wie Aiko Huckauf vom Kompetenzzentrum Jakobskreuzkraut sehen zwar keine akute Gefahr für Leib und Leben, aber trotzdem Handlungsbedarf. Gemeinsam mit dem schleswig-holsteinischen Umweltministerium hat die Stiftung Naturschutz ein Pilotprojekt gestartet, mit dem die Giftbelastung im Honig verringert werden.

15 Imker starten Pilotprojekt

Für Imker gibt es laut Aiko Huckauf nur zwei Möglichkeiten, Sommerhonig herzustellen, der nicht mit den Schadstoffen des Jakobskreuzkrautes belastet ist. „Entweder stellen die Produzenten ihre Bienenstöcke in Regionen, in denen es kein Jakobskreuzkraut gibt, oder sie ernten ihren Sommerhonig, bevor das Jakobskreuzkraut zu blühen beginnt.“

Und genau dort setzen die Stiftung Naturschutz und das Umweltministerium an. Mit finanzieller Unterstützung des Landes ziehen 15 Imker im ganzen Land in einem Pilotversuch die Ernte des Sommerhonigs um einige Woche vor. „Sie schleudern und verarbeiten den Honig einfach bevor das Jakobskreuzkraut für die Bienen interessant wird“, sagt Huckauf.

3.500 Euro vom Umweltministerium

Doch dafür mussten die Imker ihre Bienenstöcke umbauen. Denn ernten können die Produzenten erst dann, wenn die einzelnen Rähmchen in den Bienenstöcken voll und verschlossen sind. Damit das vor der Blüte des Jakobskreuzkrautes geschehen kann, kommen laut Huckauf sogenannte Halbzargen zum Einsatz. Sie sind nur halb so groß wie die Rähmchen, die in Schleswig-Holstein sonst verwendet werden.

Die 15 Imker aus den Kreisen Ostholstein, Schleswig-Flensburg, Ratzeburg, Rendsburg-Eckernförde, Segeberg und Plön erhalten für die Teilnahme an dem Versuch Geld von der Landesregierung, um die Halbzargen anzuschaffen. 3.500 Euro stellt das Umweltministerium laut Stiftung Naturschutz für das Projekt zur Verfügung.

Jakobskreuzkraut kann zu Leberschäden führen

Laut Huckauf können die PA bei Mensch und Tier zu Leberschäden führen. „Aber um eine akute Schädigung davonzutragen, muss man schon erhebliche Mengen des JKK-Giftes zu sich nehmen.“ Die Mengen, die im Honig gefunden wurden, sind seiner Meinung nach „homöopathisch“. Erhebliche Vergiftungserscheinungen sind laut Huckauf deshalb ausgeschlossen. Trotzdem rät er, belasteten Honig nicht über längere Zeit zu konsumieren.

Von Christian Nagel, ndr.de

http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Kampf-gegen-Gift-im-Honig-Imker-bauen-um,imker262.html