ndr.de: Kein Grund zum Bauen


„Jetzt oder nie!“, „Wer noch Miete zahlt, ist selbst schuld!“ oder „Nie war es so einfach, Eigenheimbesitzer zu werden!“ – so oder so ähnlich klingen die Werbeversprechen der Immobilienfinanzierer. Doch wer die günstigen Zinsen nutzen möchte, um in Schleswig-Holstein ein eigenes Haus zu bauen, wird schnell merken, dass es gar nicht so einfach ist: Die Nachfrage nach Baugrundstücken ist groß – das Angebot klein. Oder in beliebten Regionen gar nicht vorhanden.

Vor allem in Kiel, Lübeck und im Speckgürtel sind Grundstücke knapp

Vor allem rund um die größeren Städte wie Kiel und Lübeck sowie im „Hamburger Speckgürtel“ fehlen freie Baugrundstücke, so der Schleswig-Holsteinische Gemeindetag. Und zwar nicht, weil die Kommunen keine Neubaugebiete ausweisen wollen, sondern weil sie es nicht dürfen. Grund sei, sagt Jörg Bülow, Geschäftsführender Vorsitzender des Gemeindetags, die so genannte Landesplanung. Darin schreibt die Landesregierung Städten und Gemeinden vor, wie viel Neues gebaut werden darf.

Wie groß der Bedarf an Baugrundstücken ist, macht sich zum Beispiel im Amt der Gemeinde Dänischenhagen im Kreis Rendsburg-Eckernförde bemerkbar. „Bei uns klingelt oft das Telefon“, heißt es aus der Bauverwaltung. „Immer wieder wollen Bauwillige wissen, ob wir vorhaben, ein Neubaugebiet zu erweitern oder ein neues zu eröffnen“, so eine Mitarbeiterin.

Kommunen wollen Neubaugebiete selbst planen

Ähnlich ist die Situation in Großhansdorf im Kreis Stormarn. „Wir bekommen regelmäßig E-Mails und Anrufe von Interessenten, doch die müssen wir immer wieder vertrösten“, so eine Mitarbeiterin aus dem Bauamt. „Wenn es nach uns ginge, würden wir gerne mehr Baugrundstücke anbieten können“, sagt sie.

Weil das wegen der Landesplanung so schwierig ist, fordert der Gemeindetag, dass die Landesregierung die Planung von Neubaugebieten den Kommunen überlässt. „Das Land soll sich am besten auf den Bau von Infrastruktur konzentrieren“, findet Gemeindetags-Geschäftsführer Bülow. Seiner Meinung nach können die Gemeinden selbst entscheiden, wie viele Neubaugebiete entstehen sollen. Zu beachten seien dabei unter anderem auch die Kosten für Schule und Kinderbetreuung. Das Land sieht aktuell keinen Handlungsbedarf.

Regierung: Gemeinden haben Entwicklungsspielraum

Ein Regierungssprecher sagte, in nahezu allen Gemeinden in Schleswig-Holstein könnten in den nächsten Jahren Wohnungen und Einfamilienhäuser entstehen. Eine wohnbauliche Begrenzung gebe es nur für wenige Gemeinden. Und davon hätten nur einige das maximale Maß erreicht. Entwicklungsspielraum, um auf die Nachfrage zu reagieren, gebe es für nahezu alle Gemeinden, so der Sprecher.

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