ndr.de: „Berlin“ auf Probefahrt


Seenotrettungskreuzer BERLIN der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS)

Seenotrettungskreuzer BERLIN der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS)

Michael Müller steht auf der Brücke. Noch hat er Zeit für einen Schluck aus der Kaffeetasse – dabei blickt der erste Vormann des neuen Seenotrettungskreuzers „Berlin“ auf die offene Ostsee. Mit der neuen „Berlin“ ist es wie bei einem neuen Auto, wie er sagt. Bedienungsanleitung lesen – und dann einfach ausprobieren. Müller ist schon lange bei der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS). Er war 20 Jahre lang Vormann des gleichnamigen Vorgängers. Seit vergangenen Sonnabend liegt das nagelneue DGzRS-Flaggschiff mit der internen Kennung „SK 36“ im Hafen von Laboe. Von dort aus starten Müller und seine Besatzung nun regelmäßig zu Erprobungsfahrten auf der Kieler Förde.

Brücke mit Rundumsicht

Das 28 Meter lange Schiff ist technisch auf dem allerneuesten Stand. „Es gibt viel zu testen und auszuprobieren“, meint Müller. Zu den wichtigsten Verbesserungen gehört die neue Brücke. Sie ist nun vollständig geschlossen und bietet laut Vormann Müller eine perfekte Rundumsicht. Von hier aus hat er die Macht über die zwei jeweils knapp 2.000 PS-starken Schiffsmotoren, die die neue „Berlin“ auf eine Spitzengeschwindigkeit von bis zu 24 Knoten bringen.

Technik auf dem neusten Stand

Neu ist auch eine hochmoderne, ferngesteuerte Wärmebildkamera. Sie ist auf dem Mast montiert. „Die kommt zum Einsatz, wenn wir zum Beispiel vermisste Kitesurfer oder Segler suchen“, erklärt der dritte Vormann Holger Budig. Aber auch beim Löschen brennender Schiffe kann die Wärmebildkamera helfen, zum Beispiel um versteckte Glutnester zu finden. Auf dem gleichen Monitor kann sich Budig neben dem Bild der Wärmebildkamera auch Live-Bilder aus dem Maschinenraum, vom Bug und vom Heck des Schiffes ansehen. Außerdem lässt sich hier eine elektronische Seekarte darstellen, auf denen automatisch alle Schiffe der Umgebung und ihre Routen zu erkennen sind. „Hiermit können wir sogar elektronisch Gebiete einteilen, wenn wir mit anderen Schiffen in Sucheinsätzen unterwegs sind“, erklärt Budig begeistert die Technik. Er ist an Bord der „Berlin“ auch für die medizinische Versorgung von Schiffbrüchigen verantwortlich und freut sich über das neu gestaltete Bordhospital. Auf der alten „Berlin“ musste die Messe, also der Aufenthaltsraum der Seenotretter, umgebaut werden. Auf der neuen „Berlin“ gibt es einen separaten Platz zur Behandlung von Patienten.

350 Liter Diesel – in der Stunde

Während Müller und Budig die moderne Technik der „Berlin“ von der Brücke aus im Auge behalten, kontrolliert der dritte Bordmaschinist Rolf Oster den Antrieb im Maschinenraum. Ganz unten im Schiff werkeln die beiden MTU-Schiffsmotoren, die jeweils 16 Zylinder haben und bei Volllast jeweils 350 Liter Diesel in der Stunde verbrauchen. In die Tanks passen 16.000 Liter.

„Um jederzeit Einsatzbereit zu sein, halten wir die Motoren auch während der Liegezeit mit einer Heizungsanlage auf einer Betriebstemperatur von 40 Grad“, erläutert der Maschinist des Kreuzers. „Dann müssen wir die Motoren bei einem Einsatz nicht erst warmfahren und können recht schnell volle Kraft voraus geben“, sagt Oster.

http://www.ndr.de/nachrichten/schleswig-holstein/Mit-der-Berlin-auf-erster-Probefahrt,berlin436.html