ndr.de: Taufe der „Seekuh“


Das Müllschiff "Seekuh" an der Kieler Hörn

„Was ist das denn?“ Viele müssen am Sonntag zwei Mal hinsehen, ehe sie erkennen, dass es sich bei dem schwimmenden Aluminiumgestell mit den gelben Mülltonnen darauf tatsächlich um ein Schiff handelt. Genauer gesagt ist die „Seekuh“ ein Spezial-Katamaran. Damit will der Verein „One Earth – One Ocean“ auf den Weltmeeren auf Müllsuche gehen. Vor allem geht es um Plastik.

250.000 Euro für die „Seekuh“

Vor sechs Jahren hatten Günther Bonin und Rüdiger Ströh die Idee zu dem Schiff. Versuche mit einem ersten Prototypen, dem „Seehamster“, verliefen erfolgreich. Die Vereinsmitglieder gingen auf Spendentour. Für 250.000 Euro bestellten sie bei der Werft Lübeck Trave Schiff das mehr als zehn Meter lange und genauso breite Spezialschiff, das auf dem 35. Deutschen Seeschifffahrtstag in Kiel auf den Namen „Seekuh“ getauft wurde.

Müllsammel-Katamaran als Modul-Bausatz

Die Netze der „Seekuh“ reichen etwa drei bis vier Meter tief ins Wasser. Pro Fahrt kann der Katamaran bis zu zwei Tonnen Müll an Bord nehmen. Von dort aus wird das Material dann an Land recycelt oder entsorgt – so zumindest der Plan. Installiert sind die Netze noch nicht. Das solle in den kommenden Wochen erfolgen, sagt Rüdiger Stöhr vom Verein „One Earth – One Ocean“. Im kommenden Jahr soll die „Seekuh“ in Hongkong das erste Mal zum Einsatz kommen. „Für den weltweiten Einsatz haben wir den Katamaran in Modulbauweise gebaut“, erklärt Stöhr. So kann das Müllsammelschiff per Flugzeug oder Schiff zu den Einsatzorten gebracht werden. Wenn das Projekt erfolgreich ist, soll laut Stöhr eine ganze Flotte solcher Müllsammel-Katamarane gebaut und betrieben werden.

Als Mikroplastik auf unseren Tellern

Die Arbeit wird der „Seekuh“ so schnell nicht ausgehen. Experten schätzen, dass jedes Jahr bis zu acht Millionen Tonnen Plastikmüll in den Meeren landet. Früher oder später ist er wieder beim Menschen. Denn der Kunststoff zersetzt sich langsam und wird zu Mikroplastik. Die winzigen Kuststoffpartikel werden von Fischen gefressen, die dann auf unseren Tellern landen. Umweltorganisationen wie der WWF begrüßen deshalb Projekte wie den Bau der „Seekuh“. Am besten sei es aber, so Stöhr, wenn das Plastik erst gar nicht ins Meer gelange – sondern an Land ordentlich entsorgt oder wiederverwertet würde.