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Blick in die Netzleitstelle Rendsburg

Blick in die Netzleitstelle Rendsburg

Bei Bauarbeiten beschädigte Erdkabel, vom Sturm zerrissene Oberleitungen oder defekte Transformatoren: Gründe für einen plötzlichen Stromausfall gibt es viele. Doch egal was passiert, die Frauen und Männer in der Netzleitstelle der Schleswig-Holstein Netz AG in Rendsburg werden immer sofort informiert. In fast allen Übergabe-Stationen, Transformator-Häuschen und Umspannwerken im Norden sind elektronische Messgeräte eingebaut, die Informationen an die Zentrale senden: vom Spannungseinbruch in Niebüll bis zu Stromschwankungen in Dänischenhagen. Die Daten landen dann zum Beispiel am Arbeitsplatz von Stefan Krohn. Der 40-Jährige ist stellvertretender Leiter der Netzleitstelle Rendsburg und wie seine knapp 20 Kollegen Schaltmeister von Beruf.

Die Leitstelle ist immer besetzt

Je drei Mitarbeiter wechseln sich im Schichtbetrieb ab. Sie sitzen in dem von Kameras und hohem Stacheldraht geschützten Gebäude in Rendsburg und haben die Stromversorgung von ganz Schleswig-Holstein im Blick: jeden Tag, jede Nacht, 24 Stunden, 365 Tage im Jahr. Nur einige Stadt- und Gemeindewerke, wie zum Beispiel in Kiel oder Lübeck überwachen ihre Stromnetze selbst.

Krohn und seine Kollegen haben das Land in drei Zuständigkeitsgebiete aufgeteilt: Norden, Mitte und Süden. Von dort haben sie den Überblick über 50.000 Kilometer Netzleitungen im Land. „Damit könnte man locker einmal die ganze Erde umrunden“, so Schaltmeister Krohn. Gibt es irgendwo im Land eine Störung, geht eine rote Leuchte am Arbeitsplatz des Schaltmeisters an. Dann muss alles fix gehen, damit die Stromversorgung wieder schnell hergestellt wird.

Im Zweifel schickt die Zentrale ein Einsatztrupp

Manchmal können sie den Fehler in wenigen Sekunden beheben. Dann leiten sie den Strom zum Beispiel über eine andere Leitung um. Per Mausklick können die Rendsburger Schaltmeister in den Umspannwerken des Landes fehlerhafte Leitungen abschalten. Ist das Problem jedoch größer oder können die Schalter nicht von Rendsburg aus bedient werden, schicken sie einen Einsatztrupp. „Mehrere Hundert Mitarbeiter im ganzen Land sind rund um die Uhr einsatzbereit“, sagt Krohn.

500 Störungsmeldungen pro Jahr

An normalen Tagen laufen bei den Mitarbeitern in Rendsburg knapp 30.000 Meldungen und Messwerte ein. Meist sind es Statusmeldungen zur Kontrolle. Sie werden ausgewertet und archiviert. Rund 500 Mal im Jahr ist eine Störungsmeldung dabei.

An Tagen wie zuletzt bei den Orkantiefs „Christian“ oder „Xaver“ sind es bis zu 100.000 Statusmeldungen, die die Schaltmeister in wenigen Stunden erreichen. Auch die Zahl der Störungen ist dann bedeutend höher. „An solchen Tagen müssen dann zusätzlich Kollegen in die Netzleitstelle kommen, egal zu welcher Uhrzeit, dann werden alle gebraucht“, so Krohn.

Stromerzeuger müssen Produktion manchmal drosseln

Im Schnitt verbrauchen die Schleswig-Holsteiner 1,3 Gigawatt Strom. Probleme bereitet den Schaltmeistern aber weniger der Verbrauch. Bauchschmerzen macht vielmehr die Stromerzeugung. Bei entsprechendem Wetter erzeugen die Windparks, Biogas- und Photovoltaik-Anlagen im Land fast so viel Strom wie fünf konventionelle Kraftwerke. „Das Netz droht dann zu überlasten, und wir müssen die Betreiber der Anlagen auffordern, die Stromproduktion zu drosseln“, sagt Krohn und fügt hinzu: „Das ist ärgerlich, aber so lange die Höchstspannungsleitungen nicht gebaut sind, nicht zu vermeiden.“

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