ndr.de: Minensuche in der Ostsee


Eine Minensuchsonde der Deutschen Marine

Mehr als 1,5 Millionen Tonnen Weltkriegsmunition vermuten Experten in Nord- und Ostsee. Spezialkräfte sind Jahr für Jahr damit beschäftigt, sie zu bergen. Wie viele Altlasten sich auf dem Grund der gesamten Kieler Bucht noch befinden, weiß Oliver Kinsat nicht genau. Seit vergangenen Mittwoch unterstützt der Leiter des Kampfmittelräumdienstes Schleswig-Holstein gemeinsam mit seinen sechs Minentauchern den Ständigen Minenabwehrverband der NATO. Die Spezialisten des NATO-Verbandes suchen mithilfe von moderner Sonartechnik und Unterwasserdrohnen nach den gefährlichen Hinterlassenschaften des Zweiten Weltkrieges.

NATO und LKA arbeiten Hand in Hand

Zurzeit konzentrieren sich die Experten auf ein rund 18 Quadratkilometer großes Gebiet in der Nähe des Kieler Leuchtturms. Der sogenannte Seeschifffahrtsweg in die Kieler Förde hinein bis zur NOK-Schleuse Kiel-Holtenau soll zunächst bevorzugt von Minen, Bomben und Torpedos befreit werden. „Der Minenabwehrverband der NATO sucht die Munition, lokalisiert, identifiziert und markiert sie für uns, sodass meine Taucher an einer Boje, die vor Ort ist, runtertauchen können. So sind sie direkt am Objekt“, erklärt Kinast.

Sensible Sonartechnik

Dabei setzen die internationalen Helfer, die aus Großbritannien, Belgien, Polen und den Niederlanden kommen, modernste Technik ein. Die Schiffe des NATO-Verbunds sind unter anderem mit sensibler Sonartechnik ausgestattet, mit der sie den Meeresgrund nach Minen, Bomben und Torpedos abtasten. Auch Unterwasser-Drohnen kommen zum Einsatz. Das autonome System „Remus“ scannt unter Wasser mit Sonar vollautomatisch ein zuvor programmiertes Gebiet auf dem Meeresgrund ab und liefert die Bilder an ein Minenabwehrschiff.

Mehr als 180 verdächtige Gegenstände

Sollte sich nicht genau erkennen lassen, was die Sonartechnik entdeckt hat, lassen die Experten die Identifikationsdrohnen „Seefuchs“ vom Typ „India“ zu Wasser. Erst dann machen sich Taucher auf den Weg zu den gefährlichen Munitionsresten. „In zwei Tagen haben wir mit dieser Methode 183 verdächtige Gegenstände am Boden der Kieler Bucht entdecken können“, sagt Kinast. Inzwischen ist bekannt, dass sich darunter mindestens 14 Grundminen, vier Fliegerbomben, ein Torpedo und eine Kiste Munition befinden.

Gefahr für die Schifffahrt

„Bis zu 1.000 Kilogramm Sprengstoff können in einer Mine schlummern“, erklärt Kinast. Und je länger das Material unter Wasser liegt, umso gefährlicher wird es für die Schifffahrt. Bis Dienstagvormittag wird der Leiter des Kampfmittelräumdienstes noch vom NATO-Verband unterstützt. Danach ziehen die internationalen Experten in ein Einsatzgebiet in der Nordsee weiter. „Wir sind der Marine sehr dankbar. Was der Verband leistet, können wir nicht leisten. Wir schauen uns nun alle entdeckten und vom Verband markierten Objekte genau an. Dann werden wir individuell entscheiden, wie wir bei jedem Objekt vorgehen“, meint Kinast.

Die Spezialisten entschärfen die Munition und bringen sie zum Teil in das Munitionsversenkungsgebiet Kolberger Heide bei Laboe. Bis der Seeschifffahrtsweg von den Altlasten befreit sein wird, dauert es laut Kinast noch mindestens zehn Jahre. Voraussetzung dafür ist aber die regelmäßige Unterstützung der internationalen Minenabwehr-Experten der NATO.

(Der Artikel ist leider nicht mehr bei ndr.de online)