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Zweiter Saisonstart im Olympiahafen Schilksee

Christian Nagel für ndr.de | Kühl ist es an diesem Montagmorgen am Olympiahafen Schilksee. Der Wind weht schwach, die aufgehende Sonne wärmt etwas. Ideale Bedingungen für die vier Hafenmeister, um nach wochenlanger Corona-Zwangspause, die Boote aus dem Winterlager zu holen und ins Wasser zu lassen. „Es ist der zweite Saison-Start in diesem Jahr“, sagt Philipp Mühlenhardt, Geschäftsführer des Sporthafen Kiel. Er und sein Team hatten gerade die ersten Boote ins Wasser versetzt, als wegen der Corona-Krise im März unerwartet das Betretungsverbot für Sporthäfen kam. „Das fühlt sich an, als wenn das Endspiel der Fußball-WM nach der ersten Minute unterbrochen und erst jetzt nach mehr als sechs Wochen weitergespielt wird“, sagt Mühlenhardt.

Alle Eigner wollen ihre Boote schnell im Wasser haben

Mit dem heutigen Tag ist dieses Verbot aufgehoben und Mühlenhardt, die vier Hafenmeister und ihre Mitarbeiter haben alle Hände voll zu tun. Seit Mitte vergangener Woche steht Mühlenhardts Telefon nicht mehr still. Alle Bootsbesitzer wollen möglichst schnell an den Kran und ihr Motor- oder Segelboot ins Wasser bekommen. Die Bootseigner haben die vergangenen Wochen genutzt und ihre Boote bereits fit gemacht. „Jetzt soll es natürlich alles schnell gehen“, sagt Mühlenhardt. 30 Termine sind allein für Montag vergeben. 900 Liegeplätze hat der Olympiahafen Schilksee – da ist also noch eine Menge zu tun. Und alles muss unter strengen Sicherheitsauflagen erfolgen. „Maximal zwei Menschen dürfen das Boot beim Kranen begleitet“, erläutert Geschäftführer Mühlenhardt. „Wir müssen auf Abstand achten, alle müssen Schutzmasken tragen“.

Segelschule rechnet mit Verlusten

Das erste Boot, das Hafenmeister Martin Renner an diesem Montagmorgen an den Haken nimmt, ist die „Makani“. Das Boot gehört zu Gerhard Buske. Sein Sohn ist Eigentümer der Segelschule „Sailaway“, die am Sporthafen Schilksee unter anderem auch Segeltouren auf Nord- und Ostsee anbietet. Das Ausbildungsschiff ist eines von insgesamt 15 Booten, die zur Segelschule gehören. „Eigentlich ist für uns die Saison gelaufen“, meint Buske. „Statt zu buchen rufen uns die Leute an und stornieren ihre geplanten Kurse oder Charterfahrten“. Der finanzielle Schaden ist noch nicht abzusehen. Genau wie der Zeitpunkt, an dem die Segelschule wieder unterrichten darf.

Betretungsverbot kam völlig überraschend

Auch für Buske wurde vom Betretungsverbot der Sporthäfen eiskalt überrascht. „Wir hatten gerade die ersten Boote im Wasser, als der Hafenmeister auf uns zu kam und uns sagte, dass wir nicht mehr weitermachen dürfen. Der hat uns quasi die Kurbel für den Kran direkt aus der Hand genommen“, schüttelt Buske den Kopf. Das war Mitte März. Auch Buske hat die vergangene Woche genutzt und an den Booten gearbeitet. Aber ob die Segelschule in dieser Saison überhaupt alle Boote braucht, ist ungewiss. „Wir hoffen einfach mal, dass es mit der Corona-Krise nicht mehr zu lange dauert“, sagt Buske. „Familien können die Boote ja theoretisch chartern. Da könnten wir die Abstandsregel einhalten“, hofft er. Konkrete Aufträge hat er aber noch keine.

Angst vor Corona-Infektion

Während das Team der Segelschule „Sailaway“ den Mast der „Makani“ für den Kran vorbereitet, wirft Sporthafen-Kiel-Geschäftsführer Mühlenhardt einen prüfenden Blick über das Hafengelände. Halten sich alle an die Sicherheitsvorschriften? Passen die Abstände zueinander? Tragen alle Schutzmasken? Sollte sich nur ein Mitarbeiter mit dem Corona-Virus infizieren, könnte der Sporthafen quasi geschlossen werden. Dann müssten alle Mitarbeiter in Quarantäne und die Boots-Saison in Kiel wäre gelaufen. Der Privatmann Mühlenhardt hat seinen Sportboot-Sommer bereits abgeschrieben. „Mir fehlt durch die Verzögerungen hier im Hafen im Moment einfach die Zeit.“ Sein eigenes Boot bleibt deshalb im Winterlager und wartet auf den Saisonstart im nächsten Jahr.